Mittwoch, 17. August 2016

Das heilige Sarkament der Buße 2

Gewissenserforschung

Nimm die Gewissenserforschung sehr ernst; sei gründlich und ehrlich vor dir selbst, aber nicht ängstlich. Suche nach den tieferen Ursachen deiner Sünden, den schlimmen Gewohnheiten, dem Hauptfehler. Bedenke: das Gebot der Liebe ist das Hauptgebot Christi und die Sünden gegen die Liebe - gegen die Gottesliebe wie gegen die Nächstenliebe - gehören zu den schwersten. Achte besonders auf die Unterlassungssünden, auf die Zungensünden und auf jene Fehler, die anderen zur Last sind. Der Beichtspiegel soll dir Anregung und Hilfe sein zur persönlichen Gewissenserforschung. Du darfst ihn aber nicht mechanisch benützen. Mit eigenen Worten sollst du dein Bekenntnis ablegen. Nur wenn deine Anklage kein mechanisches Schema ist, kann dir der Priester beratend weiterhelfen.


Zuerst stelle dir folgende Vorfragen:

Wann hast du das letztemal gebeichtet? War deine letzte Beichte gültig? (Sie wäre ungültig gewesen, wenn du keine wahre Reue oder keinen ernsten Vorsatz gehabt oder wenn du eine schwere Sünde absichtlich verschwiegen hättest.) Vergessenen Sünden sind dir vergeben. Erinnerst du dich später an sie, so sollst du sie bei der nächsten Beichte bekennen. Wäre eine frühere Beichte ungültig gewesen, mußt du dies zuerst dem Beichtvater sagen. Er wird dir bei deiner Wiederholungsbeichte helfen.

Hast du die auferlegte Buße verrichtet? Hast du den angerichteten Schaden wieder gutgemacht, die anbefohlenen oder angeratenen Besserungsmittel benützt? Hast du seit der letzten Beichte in deinem sittlich-religiösen Leben Fortschritte gemacht oder geht es mit dir abwärts?

entnommen aus: Gottesdienst, Gebet und Gesangbuch der Erzdiözese München und Freising, Michael Kardinal Faulhaber, 2München 5. Februar 1950