Donnerstag, 19. Mai 2016

Betrachtung über die Beleidigungen Jesu Christi im allerheiligsten Sakrament des Altares

Die unwürdige Communion des Judas und die Beleidigungen, welche der Heiland in der Folge in dem Sakramente Seiner Liebe erhalten sollte, haben das Schmerzliche Seiner Todesangst (im Ölgarten) um Vieles vergrößert; es ist daher billig, daraus einen Gegenstand besonderer Betrachtung zu machen.


1. Man kann sich schwerlich eine richtige Vorstellung von den Beleidigungen machen, denen Sich Unser Herr und Heiland dadurch ausgesetzt hat, daß er fortwährend auf unseren Altären gegenwärtig ist, und sich den Christen zur Speise ihrer Seelen hingibt. Der Gedanke daran erregt schon Abscheu. Allein je heftiger jene Beleidigungen sind, desto mehr enthüllen sie uns das Übermaß Seiner Liebe, zugleich aber auch Seines Schmerzes; denn er hat sie alle vorhergesehen; und wie abscheulich sie auch seien, waren sie doch nicht im Stande, Ihn abzuhalten, Sich uns dazugeben .............
Denke an die unverschämten Spöttereien der Ketzer gegen dieses anbetungswürdige Sakrament ......................................
an die Schmach, die sie den heil. Gestalten angethan haben. ......
Denke ferne an die Entweihungen von Kirchenräubern, ketzerischen Soldaten usw., welche oft die geweihten Hostien auf die Erde geworfen haben, um sich der heiligen Gefäße zu bemächtigen. .....
Denke aber auch an die Beleidigungen, welche dieser Gott der Liebe von den Katholiken empfängt, besonder von solchen, die sich erfrechen, die heil. Communion im Stande der Todsünde zu genießen.
Nein, nicht mit Unrecht hat man diese dem verrätherischen Judas und den Juden zur Seite gestellt, die ihn gekreuzigt haben.
Denke an die vielen Christen, welche, obschon nicht in der Todsünde, dennoch die heil. Communion nur mit Gefühlen der Lauheit, Nachlässigkeit und Zerstreuung empfangen, und den Herrn fast in demselben Augenblicke vergessen, da sie Ihn empfangen haben.
Denke endlich an die Unbescheidenheiten und Unehrbarkeiten, welche in den Kirchen selbst während der Feier des heil. Meßopfers verübt werden.
Nimm Antheil an dem nur zu gerechten Schmerze des Herzens Jesu; verabscheue alle diese Auswüchse des Undankes; erinnere dich mit lebhaften Schmerze dessen, was du dir selbst in dieser Hinsicht vorzuwerfen hättest ........................................


2. Die Geduld, womit der Herr dies Beleidigungen erträgt, gibt uns eben so die Größe Seiner Liebe zu erkennen, und folglich auch des Schmerzes, wovon Sein göttliches Herz erfüllt ist. Wenn eine Mutter ganze Nächte bei einem kranken Kinde zubringt, das, von Phantasien verleitet, ihre Mühe nur durch Beleidigungen vergilt, so ist es klar, daß nur die Liebe sie an seinem Bette zurückhält. Welche Vorstellung sollen wir uns daher von der Liebe unseres göttlichen Erlösers machen, wenn wir bedenken, daß Er für uns, und selbst von uns so viele Beleidigungen erträgt, während er uns so rührende Beweise Seiner Liebe gibt, da Er in dem Allerheiligsten Sakramente bei uns bleibt? Oh! wie selten sind dergleichen Freunde! Wir finden derer wohl, die uns einen Theil ihrer Zeit opfern, einen Einfluß für uns verwenden, ja sogar ihre Güter mit uns theilen; wo gibt es aber Freunde, die zu unseren Gunsten mit Freuden das Opfer ihres Ruhmes und ihrer Ehre brächten? Dies aber thut unser Heiland für uns. Oh! wie weiß Er anders zu lieben als die Menschen! Nein mein liebenswürdiger Jesus, niemals hat es einen so treuen und großmüthigen Freund gegeben, als du bist!

3. Wenn wir in irgend einer Hinsicht das Übermaß von Liebe verdienten, die uns Jesus in dem allerheiligsten Sakramente beweiset, wenn wir derselben entsprächen, indem wir z. B. etwas für ihn litten; wenn wir für Seine Ehre arbeiteten, oder einen großen Eifer bewiesen, um zu verhindern, daß Er in dem Allerheiligsten Sakramente nicht entehrt werde (obgleich wir Seiner Liebe bei weitem nicht nahe kommen würden); so möchte er wenigstens einen Grund haben, uns ferner Seine Ganden zuzuwenden. Allein wir haben uns vielleicht selbst den Vorwurf zu machen, Ihn durch Zerstreuung an den heil. Orten zu entehren ............durch tausenderlei fremdartige, vielleicht gar sündhafte Gedanken, die wir uns erlauben ....... durch die Lauheit, mit der wir Ihn empfangen ..... vielleicht, o anbetungswürdiger Jesu! vielleicht sind wir den schwachen, furchtsamen Jüngern gefolgt, die sich aus Furcht, Deine Beschimpfungen zu theilen, von Dir entfernten; vielleicht hat uns die Scheu vor einer geringen Verhöhnung abgehalten, Dich zu besuchen, vor Dir zu knien, Dich anzubeten, oder in der heil. Communion zu empfangen.
 
 

Erforsche dich über diese Punkte .....................
Fasse den Entschluß, ein etwa gegebenes Ärgernis wieder gut zu machen .......................
Erwecke einen Eifer für die Anbetung des hochwürdigsten Sakramentes ......
Nimm dir vor, in der Kirche stets tief versammelt, andächtig zu sein ....... und in ehrerbietiger Stellung.



etnommen aus: Die Heilige Stunde, mit bischöflicher Guheißung,
Benignus Bischof von Autun 10.02.1830, Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1850