Mittwoch, 6. Juli 2016

Art und Weise den Tag zu heiligen

1. Wandle beständig in der Gegenwart Gottes, d. h. gedenke, daß Gott alles sieht, und daß er sogar die geheimsten Gedanken deines Herzens weiß. Erfülle mit guter Meinung die Pflichten, die Gott dir in deinem Stand auferlegt hat.
Die gute Meinung ist ein leichtes Mittel, um viele Verdienste bei Gott zu erwerben; denn ohne dieselbe sind auch die an sich guten Werke ohne Verdienst; mit ihr aber werden die sonst gleichgültigen Werke Gott gefällig und für den Himmel verdienstlich. Ist das dein Verlangen, dann mußt du in der Gnade Gottes sein; denn solange du im Stande der Todsünde bist, kannst du nichts für den Himmel verdienen. In diesem Falle mußt du zuvor beichten oder wenigstens eine vollkommene Reue erwecken mit dem festen Vorsatze, dich zu bessern und zu beichten.
2. Die Übung der guten Meinung besteht darin, daß man täglich, und wohl auch öfter im Tage, sein Gemüt zu Gott erhebt und alle Gedanken, Worte und Werke, jede Angst und Not Gott aufopfert zu Seiner Ehre und aus Liebe zu Ihm, und dies alles in Vereinigung mit dem bitteren Leiden und mit den Verdiensten Christi, der seligsten Jungfrau und allen Heiligen.
3. Die des Morgens gemachte Meinung soll man während des Tages oft mit einem kurzen Schutzgebete wiederholen, z. B. "Mein Gott alles aus Liebe zu Dir, zu Deiner Ehre," usw. insbesondere aber:
  • wenn man eine neue Arbeit anfängt
  • wenn man die Uhr schlagen hört
  • wenn man etwa unter der Arbeit einen Fehler begangen hat



entnommen aus Vade mecum, P. Andreas Ehrensberger S.J., oberhirtliche Druckerlaubnis Regensburg 1907