Mittwoch, 1. Juni 2016

Mittel gegen Zerstreuungen beim Gebet

alles von Prälat Prof. Georg May

Selbst­ver­ständ­lich kom­men jedem Men­schen beim Gebet Zer­streu­un­gen. Unfrei­wil­lige Zer­streu­un­gen sind keine Sünde. Frei­wil­lige Zer­streu­un­gen sind eine läß­li­che Sünde. Nur wenn man Pflicht­ge­bete ganz zer­streut, frei­wil­lig ganz zer­streut beten würde, wäre es wohl nicht ohne schwere Sünde mög­lich. 
Im all­ge­mei­nen sind die Zer­streu­un­gen unfrei­wil­lig. Sie kom­men, wenn wir uns mit schwe­ren Befürch­tun­gen belas­tet sehen; sie kom­men, weil drin­gende Geschäfte uns bevor­ste­hen; sie kom­men, weil erschüt­ternde Erleb­nisse uns nicht los­las­sen. 


Wenn sol­che Zer­streu­un­gen kom­men, dann gibt es zwei Mit­tel, ihnen zu begeg­nen. 
Ers­tens, indem man sie abschüt­telt. Man sagt: Mein Gott, ich bin jetzt für dich da, und du bist für die Dinge da, die mir oblie­gen. Ich küm­mere mich jetzt um deine Sache und deine Ehre, und du küm­merst dich um meine Pläne und Sor­gen. 

Die hl. Katherina von Alexandrien beim Gebet
Tiziano Vecellio, 1567
Das zweite Mit­tel besteht darin, daß man die zer­streu­en­den Gedan­ken ins Gebet hin­ein­holt, daß man also gerade dafür betet, was einem so zu schaf­fen macht; daß man diese belas­ten­den und beläs­ti­gen­den Gedan­ken ins Gebet ein­führt, um Gott auf die Gefah­ren, Sor­gen, Ängste hin­zu­len­ken, die uns nicht los­las­sen. 

Man soll sich auch auf das Gebet vor­be­rei­ten. Das geschieht dadurch, daß man sich sam­melt, daß man die frem­den Gedan­ken abweist, daß man sich in die Gegen­wart Got­tes ver­setzt und daß man den Hei­li­gen Geist bit­tet, das Gebet mit sei­nem unaus­sprech­li­chen Seuf­zen zu beglei­ten. 

Man soll sich fern­hal­ten von allem, was das Gebet stö­ren könnte, also sich mög­lichst in die Ein­sam­keit bege­ben, sich an die Gebets­ge­bräu­che und Gebets­for­meln der Kir­che hal­ten. Auf diese Weise ist es mög­lich, den Zer­streu­un­gen zu begeg­nen.