Donnerstag, 16. Juni 2016

Betrachtung zur Heiligen Stunde - Über das Gebet Jesu Christi am Ölberge

1. Jesus Christus befiehlt Seinen Aposteln zu wachen und zu beten, damit sie nicht der Versuchung unterliegen; Er selbst tut, was er ihnen befiehlt. Er lehret uns hierdurch, daß das Mittel gegen die Traurigkeit nicht darin besteht, die Unterhaltung der Menschen zu suchen, die uns nur eitle Trostgründe geben können, sondern unsere Zuflucht zum Gebete nehmen, und uns an Gott zu wenden, Der unser wahrer Tröster ist, und unsere Traurigkeit entweder ganz verscheuchen oder doch mildern kann, je nachdem Er es für unser Bestes als zweckmäßig erachtet....
Fasse den Entschluß, in deinen Nöten stets zu Gott zu fliehen ...
Meine Seele war untröstlich, sagt der königliche Prophet, ich habe an Gott gedacht, und Er hat mir die Freude wiedergegeben. (Ps. 76, 4)

2. Der Heiland verkündet uns, daß das Gebet das untrügliche Mittel gegen jede Art von Versuchung sei, und man mit umso größeren Eifer beten solle, je dringender die Gefahr sei.
Er saget nicht: betet, damit ihr nicht versucht werdet, sondern damit ihr nicht der Versuchung unterlieget; denn oftmals ist es dir nützlich, durch starke Versuchungen geprüft zu werden, das Gebet aber hilft uns dieselben zu überwinden, oder wenn wir zuweilen besiegt werden, so verhindert dasselbe unser gänzliches Verderben, indem es uns vom Himmel den nötigen Beistand erlangt, uns wieder zu erheben.

3. Merke auf den Ausdruck: Wachet mit mir (Matth. 26, 33), d. h. mit oder bei mir und wie ich....
Jesus Christus wachet daher mit Denen, welche wachen, und betet mit Jenen, die da beten ....
Bitte den Heiland, daß Er selbst dich lehre, nach Seinem Beispiele zu beten und zu wachen ...
denn Er brachte den Tag in Arbeit zu und die Nacht im Gebete.

4. Jesus Christus wirft Sich mit dem Angesichte zur Erde nieder, und spricht: " Mein Vater, wenn es möglich ist, mache, daß dieser Kelch vorübergehe, und von Mir genommen werde; jedoch nicht Mein Wille, sondern der Deinige geschehe" (Matth. 26, 39)
O welch herrliches Gebet! Welche bewundernswürdige Ergebung ...
Welches Vorbild vollkommene Gebetes und Gehorsames! ....
Es läßt sich besonders viererlei in diesem Gebete betrachten:
1. dasselbe ist sehr ruhig und sehr andächtig: um es gut zu verrichten hatte Sich der Heiland von den Übrigen entfernt ....
2. Es ist von großer Demut, und tiefer, sowohl innerer als äußerlicher Ehrfurcht begleitet, welche hervorging aus der Hochachtung, die Er von der allerhöchsten Majestät hegte, aus dem Anblicke Seiner Niedrigkeit hinsichts Seiner Menschheit, und aus dem Gefühle des Elends, worin Er sich damals versetzt sah ...
3. Es war voll von Vertrauen, wie die Worte bezeugen: Mein Vater, die Er mehrere Male aussprach ....
4. Es war unterwürfig: denn niemals gab es eine vollkommenere Ergebung des eigenen Willens, noch eine größere Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, und noch dazu in der größten Pein ....
Zugleich war Sein Gebet lang und anhaltend; es dauerte mindestens eine Stunde; wie der Vorwurf gegen die Apostel ergibt: "So konntet ihr nicht eine Stunde mit mir wachen!" (Matth. 26, 40)
Und Er richtete es auf die Beweggründe, welche Ihn zur Ergebung bestimmen konnten usw.
Nimm dir vor dieses vollkommene Vorbild nachzuahmen.


entnommen aus: Die Heilige Stunde, G. W., Bischöfliche Gutheißung Benignus Bischof von Autun 10. Februar 1830