Dienstag, 6. September 2016

Vom betrachtenden Gebet in Vereinigung mit den Engeln und allen Heiligen

Um dich der Hilfe und Gunst der Engel und Heiligen zu erfreuen, kannst du aus zweifache Weise vorgehen.

Erstens: Wende dich zum ewigen Vater; weise Ihn auf die Liebe und das Lob hin, mit dem Ihn der ganze himmlische Hof verherrlicht, und auf die Mühseligkeiten und Leiden, die die Heiligen auf Erden aus Liebe zu Ihm erduldet haben, und auf diese gestützt, bitte Seine göttliche Majestät um alles ,was dir nottut.

Zweitens: Wende dich  an die Scharen der Heiligen selbst und erbitte ihren Beistand im Kampfe gegen deine Gebrechen und wider alle deine Feinde und vor allem um ihren Schutz in der Todesstunde.
Ein anderes Mal betrachte die vielen und außerordentlichen Gnaden, die sie vom allerhöchsten Schöpfer erhielten, und erwecke in dir eine innige Liebe zu ihnen, wie auch eine lebhafte Freude über ihren Reichtum an Ganden, wie wenn sie deine eigenen wären.
Wenn möglich freue dich, daß sie und nicht du die Gnaden besitzest, weil Gott es so wollte, der dafür gelobt und gepriesen sei. Um diese Übung ordnungsgemäß und ohne Mühe vorzunehmen, kannst du die Scharen der Heiligen in Gruppen aufteilen und für ihre Verehrung die einzelnen Tage der Woche etwa auf diese Weise festlegen:
Am Sonntag verehre die neun Chöre der Engel; am Montag den heiligen Johannes den Täufer, am Dienstag die Patriarchen und Propheten; am Mittwoch die Apostel; am Donnerstag die Märtyrer; am Freitag die Bischöfe und andere heilige Männer; am Samstag die Jungfrauen und andere heilige Frauen.
Unterlasse es jedoch niemals, an jedem Tag und auch sonst recht häufig zur allerseligsten Jungfrau Maria, der Königin der Heiligen, deinem Schutzengel und dem heiligen Erzengel Michael und allen deinen heiligen Fürsprechern deine Zuflucht zu nehmen.
Auch flehe alle Tage zur allerseligsten Jungfrau Maria, zu ihrem Sohne und zum himmlischen Vater um die Gnade, daß sie dir den Gemahl Mariens, den heiligen Joseph, zum besonderen Fürsprecher und Beschützer bestellen möchten, und wende dich vertrauensvoll an ihn mit der Bitte, dir seinen mächtigen Schutz angedeihen zu lassen.
Viel Wunderbares wird von diesem glorreichen Heiligen berichtet, von den vielen Gnaden, die seine Verehrer erhalten, die ihn in ihren geistigen wie zeitlichen Nöten angerufen haben, wie er besonders viele fromme Seelen anleitete, auf rechte Weise zu beten und zu betrachten.
Hält Gott schon die übrigen Heiligen so hoch, weil sie ihm während ihres Lebens Ehre und Gehorsam erwiesen. um wieviel mehr dürfen wir da annehmen, daß er diesen überaus demütigen und glückseligen Heiligen hochschätzen und sein Gebet in Gnaden aufnehmen wird, da er bereits hier auf Erden von Gott so hoch geehrt wurde, daß ER sich ihm unterwerfen und wie einem Vater gehorchen wollte.


entnommen aus: Lorenzo Scupoli, Der geistliche Kampf, 1589, Imprimatur Abtei Marienstatt, 15.April 1934