Sonntag, 16. Oktober 2016

Sittenlehre von dem geistlichen Tempel, welche der Christ selbst ist

Das Fest der Kirchweihe erinnert lebhaft an das lebendige Gotteshaus, das nach dem angeführten Worten des heiligen Paulus, du selbst bist.


Erbaut wurdest du durch Gottes Hand; Er hat dich selbst erschaffen, du bist Sein Werk. - Bestimmt bist du für ihn; Er hat dich für sich, zu Seiner Ehre erschaffen. - Geweiht wurdest du in der heiligen Taufe; da wurde alles Unheilige aus dir entfernt, und du wurdest geheiligt und ausgeschmückt mit der heiligmachenden Gnade und mit den sieben Gaben des Heiligen Geistes, Der nun in dir Seine Wohnung aufgeschlagen hat. - Konsekriert bist du geworden in der heiligen Firmung, welche die Vollendung, die Besiegelung der heiligen Taufe ist. - In der heiligen Kommunion hat dich der Gottmensch zur lebendigen Monstranz, zum heiligen Tabernakeln gemacht; er ist mit Gottheit und Menschheit in dich eingezogen. - Das ewige Licht vor dem Allerheiligsten soll deine Liebe zu Christus sein; sie soll nie ausgehen und sollte dich in seinem Dienste verzehren. - Der Hochaltar soll sein dein Herz, dein Wille, der ganz und ausschließlich Gott angehören darf. - Das tägliche Opfer auf deinem Altare sind die Entsagungen, welche der Dienste Gottes fort und fort von dir fordert; es sind die Kreuze du Leiden, die du mit williger Hingabe an den Willen Gottes ertragen sollst. Die leuchtenden Kerzen müssen deine heiligen, gottgefälligen Werke sein nach Christi Wort: "Laßt euer Licht leuchten, damit die Menschen eure Werke sehen und den Vater preisen, Der im Himmel ist." - Die heiligen Bilder, das müssen sein die frommen Gedanken und die heiligen Vorstellungen deiner Seele. Wenn du das Leiden des Herrn betrachtest, oder die Geheimnisse des Rosenkranzes oder das Leben der Heiligen, so schmückt sich deine Seele mit den 14 Stationsbildern, mit den 15 Rosenkranzbildern, mit den Gemälden von Heiligen und ihren tugendreichen Taten. - Die Kanzel und der Prediger, das ist dein vom heiligen Glauben erleuchtetes Gewissen, durch dessen Stimme Gott selbst dich vom Bösen abmahnt und zum Guten ermuntert. - Das Bußgericht hältst du, so oft du dein Gewissen erforschest, deiner Sünden dich in aufrichtiger Reue vor Gott anklagst. Da absolviert dich Gott, wenn du anders gewillt bist, deine Sünden auch dem von ihm verordneten Priester zu bekennen. - Der duftende Weihrauch, die Töne der Orgel und der kirchliche Gesang vor Gott, das sollen deine Gebete sein, die als Anbetung, Dank, Lob, Bitte, Klage zu ihm aus deiner Seele aufsteigen. - Die Türen in das innere Heiligtum sind deine fünf Sinne, durch welche nichts Unheiliges, Unerlaubtes eingehen darf. - Die Glocken, welche die Menschen von ihr Alltagsgeschäften zum Gottesdienste rufen, das sollen sein deine gottgefälligen Reden, durch welche Nebenmenschen von der Sünde abgemahnt, zum Dienste Gottes angeregt und erbaut werden sollen.


Dies solltest du sein, mein Christ; so meint es der heilige Paulus, wenn er sagt: "Ihr seid Tempel des lebendigen Gottes." Daran soll dich heute das Kirchweihfest erinnern, wie der heilige Augustin schreibt: "So oft ihr, geliebteste Brüder, das Fest der Kirchweihe begeht, lasset uns zu neuem Eifer anspornen, gerecht und heilig zu leben, dann wird alles, was in den Tempeln von Steinen geschieht, ganz auch in uns erfüllt werden. Lasset uns mit Seinem Beistande bestreben, daß sich in Seinem Tempel, der wir sind, nichts finde, was das Auge Seiner Majestät beleidige. Die Wohnung unseres Herzens werden von Lastern gereinigt und mit Tugenden geschmückt; sie werde dem Teufel verschlossen und für Christus geöffnet."


Und nun bedenke, was es heißt, diesen Tempel Gottes zu entheiligen, schänden, wenn statt Christus der Teufel auf dem Altar deines Herzens thront, indem du einer sündhaften Leidenschaft frönst, wenn du deine Seele zum Tummelplatz von sündhaften Gedanken und Begierden machst, wenn deine Worte und Werke den Nächsten statt zum Gottesdienste zum Dienste des Teufels lockest, wenn du deinen Sinnen alles gestattest, was sie immer nur begehren, wenn du deinen Leib und die Glieder deines Leibes durch schmachvolle Sünden schändest usw.
"Wisset ihr nicht, daß ihr Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr. Wenn aber jemand den Tempel Gottes entehrt, den wird Gott verderben." (1.Kor.3.16,17)




entnommen aus: Katholische Handpostille, P. Leonhard Goffine, 69. Auflage, Imprimatur München 9.Juli 1935