Freitag, 26. August 2016

Heilige Stunde - Betrachtung wie Jesus im Gebete aushält, obschon er nicht erhört wird

1.Nachdem Er bei den Aposteln gewesen, und zum Gebete zurückgekehrt war, wiederholte Er dieselben Worte; aber mit größerem Eifer, als vorher: Mein Vater, Mein Vater, Dir ist alles möglich, wende diesen Kelch von Mir; doch nicht was Ich will, sondern was Du willst. (Mark. 14. 36.)
Die Verdopplung des Eifers und Vertrauens drückt sich in den Worten aus: Mein Vater, Mein Vater. Er bekennt zugleich, daß sein Vater allmächtig ist, und will uns dadurch lehren: 1. daß der Erfolg des Gebetes von der Allmacht Gottes abhängig ist; 2. daß man, um von Gott eine Gnade zu erhalten, damit beginnen müsse, Seine Allmacht anzuerkennen. Der Sinn Seines gebetes ist daher: Du kannst mir, um was ich bitte, weder aus Mangel an Liebe verweigern, denn Du bist mein Vater, noch aus Mangel an Macht, denn Dir ist Alles möglich ...
So sollen auch wir beten, besonders in dringenden Gefahren und Trübsalen ...., Ja, mein Vater, Dir ist Alles möglich .....
Befreie mich von der Versuchung, die mich dränget.... Gib mir die Tugend, um welche ich Dich bitte... Stehe mir bei in der Not, in der ich mich befinde ... Vor allem aber geschehe Dein Wille .... und nicht der meinige ...
Erwecke eine vollkommene Ergebung in den Willen Gottes ...

2. Jesus kommt abermals zu den Aposteln, und findet sie schlafend. Er hat Mitleiden mit ihrer Schwachheit .... dann kehrt Er zum dritten Male zurück, und wiederholt dasselbe Gebet: Mein Vater, wenn Du willst, so nimm diesen Kelch von mir usw. Dieses Gebet war lang; denn wie der Evangelist erzählt , verfiel Er in Todesangst und verlängerte Sein Gebet (Luk. 22. 24.).
Betrachte die auffallende Verlassenheit, in der Sich der Heiland befindet: Er empfängt von Niemanden einigen Trost ... Seine heil. Mutter ist abwesend ... Sein Vater höret Ihn nicht ... Seine Jünger schlafen ... Seine Gottheit und die höheren Eigenschaften der Seele lassen die niederen in der größten Verlassenheit.
Ich suchte Jemand, der mit Mir trauerte, ruft Er durch den Mund des Propheten, und Niemand war das, der Mich tröstete, und Ich fand Keinen (Ps. 68. 21.)
Erwecke Gefühle des Mitleids ... einen aufrichtigen und festen Vorsatz, Ihn nachzuahmen.

3. Je verlassener der Heiland ist, desto mehr verharret Er im Gebete ... ohne Sich zu beklagen, daß Ihn der Vater nicht erhört ... ohne der heil. Übung überdrüssig zu werden, ohne zu ermüden, denn Er wiederholt sie dreimal ... Im Gegenteile, Sein Eifer nimmt immer mehr zu. Hören wir nach diesem göttlichen Vorbilde nicht auf zu beten, und murren wir nicht wider Gott, daß Er uns nicht erhöre ... oder daß Er zögere, uns heimzusuchen ... Unterlassen wir daher nicht die Gewohnheit des Gebetes ... Ja es ist gut, dasselbe in solchen Fällen zu verlängern, um einen Sieg über uns selbst zu gewinnen. Wer wollte sich beklagen, daß er nicht sogleich erhört werde, da er es wünsche, wenn er sieht, daß Gott Seinen vielgeliebten Sohn nicht erhört? Die Zögerung hat Ihm keinen Nachteil gebracht - sie wird auch uns nicht schaden ... Sein Vater erhöret Ihn nicht, weil Er unser Heil will ... Bewundere Seine Liebe ... Danke Ihm ...
Erwecke eine gleiche Ergebung für ähnliche Fälle ... Es ist zu deinem Besten.

Ablaßgebet
Seele Christi

entnommen aus: Die Heilige Stunde, G. W., Bischöfliche Gutheißung Benignus Bischof von Autun 10. Februar 1830