Donnerstag, 7. Juli 2016

Heilige Stunde - Betrachtung zur Erscheinung des Engels während der Todesangst des Herrn am Ölberge

1. Während Jesus betete, erschien Ihm ein Engel vom Himmel, der Ihn tröstete (Luk. 22. 43.). Als Gott sah, daß unser Heiland in der tiefsten Traurigkeit im Gebete verharrte, wollte Er Ihm zeigen, daß Er Sein Gebet nicht verachte. Er sendete Ihm daher einen der vornehmsten Engel, um Ihn zu trösten, gleichwie Er Ihm einen in der Wüste geschickt hatte, um Ihm mit Nahrungsmittel zu dienen, nachdem Er den Teufel besiegt hatte.

Bewundere die väterliche Sorgfalt Gottes für diejenigen, welche in der Trübsal zu Ihm ihre Zuflucht nehmen, und wie Er sie im Notfall durch unsichtbare Engel, nämlich durch Seine Einsprechungen tröstet ...
Wenn Er zuweilen zögert, sie heimzusuchen, so geschieht dies nicht, weil ER sie verläßt, sondern weil Er diese Heimsuchung zu einer anderen Zeit für sie als zweckmäßig erachtet ....
Bitte Gott, daß Er dich in der Trübsal nicht verlasse ... sondern dir Kraft und Trost verleihe usw.
Die himmlischen Geister stehen denen bei, welche beten, und sie trösten sie, und muntern sie auf ... bringen Gott die Gebete derselben dar ...
Erwecke dein Vertrauen zu den Engeln ....
Rufe sie besonders in der Trübsal.


2. Als der Erlöser die Worte des Engels vernommen hatte, verfiel Er in Todesangst und verdoppelte Sein Gebet; und Er hatte einen blutigen Schweiß, dessen Tropfen bis zur Erde niederfielen (Luk. 22. 43.). Die Ursache dieses übermäßigen Schmerzes, der einen so ungewöhnlichen Schweiß zur Folge hatte, war:
1. der furchtbare Kampf in Seinem Innern, zwischen der Furcht vor den Martern und dem Verlangen nach der Erlösung der Menschen. In diesem so harten Kampfe rinnt Sein Blut von allen Seiten am Körper herab ....
So sollen auch wir unsere Leidenschaften, unsere Neigungen usw. bekämpfen
2. Die zweite Ursache dieses blutigen Schweißes war das Übermaß Seiner Liebe, die Ihn antrieb, Sein Blut mit so viel Großmut für uns zu vergießen. Er leidet im Geiste auf einmal alle Qualen, die Er in Seiner Leidenszeit ausstehen sollte.
3. Die dritte Ursache Seines Schmerzes endlich war die Voraussicht aller Nöte, welche Seine Kirche, die Sein mystischer Leib ist, in der Folge der Zeiten erdulden sollte.
Man kann mit einem großen Heiligen sagen, daß der Heiland damals mit dem hl. Stephanus gesteinigt, mit den hhl. Petrus und Andreas gekreuzigt, mit dem hl. Bartholomäus gehäutet, mit dem hl. Martyrer Ignatius von wilden Tieren zerrissen wurde usw.
Erwecke Mitleid ... und Dank


3. Nach dem Gebete sprach Christus, um die Wirksamkeit desselben zu zeigen, und die Treue in Erfüllung des Willens Seines himmlischen Vaters zu beweisen, zu Seinen Jüngern: "Stehet auf, lasset uns gehen, denn der Mich verraten hat ist nahe."
Bewundere dieses Vorbild... ahme es nach ... Erwecke Gefühle der Beschämung wegen der Vergangenheit.

Gebet Die Seele Christi


auszugsweise entnommen aus: Die Heilige Stunde, G. W., Bischöfliche Gutheißung Benignus Bischof von Autun 10. Februar 1830