Montag, 29. Mai 2017

Schule der Demut - Kurze Betrachtungen für alle Tage des Monats 29

Quelle: Wikipedia
Hl. Martin von Tours
29. Die Früchte der Demut


1. Nichts verleiht einen so süßen Frieden wie die Demut. Im Anfange wird sie schwer; wir seufzen unter den Wunden, die der Stolz zu leiden hat, ehe er in uns vernichtet ist - aber eine heilige Ausdauer in der Übung der Demut wird über die Seele eine so süße, friedliche Ruhe verbreiten, daß schon in diesem Leben die Seele anfängt, die Freuden des himmlischen Paradieses zu kosten. Leiden, Enttäuschungen, lieblose Behandlung, Ungerechtigkeiten, Beleidigungen stören nicht den süßen Frieden dessen, der wahrhaft demütig ist; beständig empfindet er die Wahrheit der Worte des Heilandes: "Lernet von mir, ich bin sanftmütig und demütig von Herzen. Dann werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht."

2. Die Demut ist  eins der besten Mittel gegen die Angriffe des bösen Geistes. Der Demütige kann mit dem Heiland sagen: "Der Fürst dieser Welt kommt und hat nichts an mir." Mit dem sterbenden heiligen Martin kann er ausrufen: "Warum bist du hier, du höllischer Geist? Du findest nichts an mir." Bei einem Demütigen kann der Teufel in der Tat nichts ausrichten. Er nährt stets in sich das Gefühl der Abhängigkeit von Gott, und darum hat keine Versuchung Macht über ihn.

3. Die Demut ist die Wurzel aller anderen Tugenden. Der Demütige ist liebreich gegen andere; er denkt nie an sich selbst, will alles für Gott tun. Er ist darum voll Eifer, handelt vorsichtig, verläßt sich stets auf Gott, nie auf sich selbst: er ist ein Mann des Gebets, da er bei allem Gott sucht; er ist reinen Herzens, wünscht in nichts sich selbst zu gefallen, sondern strebt nur darnach, Gott Freude zu machen. - Sind diese Zeichen der Demut bei mir vorhanden?


entnommen aus: Die Schule der Demut, R. F. Clarke SJ, Imprimatur Münster, 27. Februar 1900