Sonntag, 28. Mai 2017

Schule der Demut - Kurze Betrachtungen für alle Tage des Monats 28

Quelle: Wikipedia
Hl. Dominikus
28. Vorbilder der Demut (die Heiligen)


1.  Einige Heilige haben sich besonders in diesen, andere in jenen Tugenden ausgezeichnet - alle aber in der Tugend der Demut. Die Helden des Reiches Gottes - sowohl des alten als auch des neuen Testamentes - unterscheiden sich von den Helden des Heidentums - durch die Tugend der Demut. Abraham nennt sich Staub und Asche, Job erkennt sich an als ein Nichts vor dem höchsten Gott - David nimmt mit dank die Heimsuchung an, die die Hand Gottes ihm auferlegt - Daniel bekennt, daß er sein Angesicht vor Scham und Verwirrung verhüllen muß. Wir sehen also, daß schon die Heiligen des alten Bundes, die noch nicht das Beispiel Jesu und Maria vor Augen hatten, so demütig waren.

2. Noch mehr zeichnen sich die Heiligen des neuen Bundes durch Demut aus. St. Paulus hält und erklärt sich für den größten Sünder, - der heilige Bernardin kann nicht begreifen, daß Gott durch die Hand eines solchen Elenden Wunder wirkt. Ehe der heilige Dominikus in eine Stadt trat, pflegte er Gott zu bitten, daß er dieselbe um seiner Sünden willen doch nicht heimsuchen möchte. Philipp Neri liebte es, den Schein des Lächerlichen auf sich zu ziehen. Als der heilige Franz Borgias eines Tages ins Angesicht gespieen wurde, bemerkte er, daß man keinen passenderen Ort hätte finden können. Vergleiche die Demut der Heiligen mit deinem Stolze und erniedrige dich vor Gott.

3. Die Heiligen übertrieben keineswegs, wenn sie solche Gesinnungen bekundeten. Sie sagten sich, daß, wenn Gott den größten Sündern die Gnaden gegeben hätte, die er ihnen verliehen, solche es vielleicht zu noch größerer Heiligkeit gebracht haben würden. Ja, denke an deine empfangenen Gnaden! Wie oft hast du sie vernachlässigt und verschwendet! Wenn die Heiligen über die verlorenen Gnade also seufzten und klagten, wie viel Grund hast du, dich zu verdemütigen!



entnommen aus: Die Schule der Demut, R. F. Clarke SJ, Imprimatur Münster, 27. Februar 1900