Dienstag, 23. Mai 2017

Schule der Demut - Kurze Betrachtungen für alle Tage des Monats 23

23. Demut bei Mißerfolg


1. Es mag nach dem Vorhergehenden leicht erscheinen, demütig zu sein bei Mißerfolg und Enttäuschungen, aber es ist in Wirklichkeit nicht so leicht. Mißerfolge verwunden unseren Stolz; und verwundeter Stolz ist für manchen hart. Zorn, Ärger, der Wunsch sich zu rächen an denen, welchen wir die Schuld unserer Mißerfolge zuschreiben, alles dieses gärt gleichsam in ihm, oder aber er ist niedergeschlagen, mutlos, willens alle weiteren Bestrebungen aufzugeben. Frage dich selbst, welche Wirkungen solche Mißerfolge bei dir haben!

2. Und doch sind gerade Mißerfolge und Enttäuschungen so nützlich für unsere Seelen. Unter dem Drucke derselben können wir dann kaum anders als eine geringe Meinung von uns selber hegen und Geduld und Ausdauer lernen. Obschon sie unserer Natur hart ankommen, führen sie uns doch eher zur Demut, als Erfolge, die unserer Seele weit gefährlicher sind. Danke also Gott für die Mißerfolge!

3. Welches sollen nun unsere Gesinnungen sein bei Mißerfolgen und Enttäuschungen? Erstens dürfen wir uns nicht niederdrücken und entmutigen lassen, sondern müssen immer wieder anfangen. Zweitens sollen wir nicht andere tadeln, die vielleicht mehr oder weniger Schuld tragen. Drittens müssen wir es unserer eigenen Fehlerhaftigkeit zuschreiben oder den gerechten Strafgerichten Gottes, Der uns züchtigen will. Viertens müssen wir Gott danken, ihm alles aufopfern und ihn bitten, uns immer demütiger zu machen. Fünftens müssen wir uns erinnern, daß es für die, welche Gott wahrhaft lieben, überhaupt keine Mißerfolge gibt, sondern daß auch diese denen, die Gott lieben, zum besten gereichen.



entnommen aus: Die Schule der Demut, R. F. Clarke SJ, Imprimatur Münster, 27. Februar 1900