Montag, 15. Mai 2017

Schule der Demut - Kurze Betrachtungen für alle Tage des Monats 15

Quelle: Wikipedia
Hl. Karl Borromäus
15. Die Demut, eine liebenswürdige Tugend


1. Die Demütigen sind angenehm im Verkehr, angenehm in der Unterhaltung. Sie sind immer bereit, sich den Personen, mit denen sie verkehren, anzupassen, ihren Wünschen gerecht zu werden. Sie vergessen sich und ihre Interessen und sind immer geneigt, auf die Wünsche ihres Nächsten einzugehen, seine Interessen zu den ihrigen zu machen. Frage dich, ob du so gesinnt bist!

2. Der Demütige zeigt ein besonders liebevolles Benehmen gegen solche, die ihm weniger sympathisch sind, gegen die er Abneigung empfindet. Statt ihnen unfreundlich zu begegnen. sieht er in dieser natürlichen Abneigung ein Zeichen des Stolzes, wogegen er kämpfen, den er ganz und gar überwinden muß. Er denkt daran, daß er selbst seine Fehler hat, die andern unangenehm sind und strebt darum nicht allein danach, die Schwächen der Mitmenschen zu ertragen, sondern bemüht sich, wahrhaft göttlichen Heroismus und Edelmut ihnen gegenüber zu zeigen.

3. So handelten die Heiligen. Wie erregen nicht jene unsere Bewunderung, die arme Aussätzige pflegten, ihre Wunden küßten; mehr noch müssen wir jene anstaunen, die ihren Beleidigern freundlich und liebevoll begegneten, die wahre Scheusale von Menschen mit Wohltaten überhäuften. Dies ist eben der Weg, um auch Sünder zu Christus zu führen. Dies ist aber auch der Weg, um Frieden und Freudigkeit des Herzens zu gewinnen. Es ist eben die Liebe zu Heiland, die alles möglich macht, die aber auch alles wahre Glück in sich birgt.


entnommen aus: Die Schule der Demut, R. F. Clarke SJ, Imprimatur Münster, 27. Februar 1900