Montag, 1. Mai 2017

Schule der Demut - kurze Betrachtungen für alle Tage des Monats 1

1. Die Wichtigkeit der Demut

1. Die Demut ist unumgänglich notwendig, um Gnade vom allmächtigen Gott zu erlagen. " Er widersteht dem Stolzen und gibt dem Demütigen Seine Gnade." Der Stolz setzt dem Eintritte der Gnade in unsere Seele eine unübersteigbare Schranke entgegen. Da wir aber ohne den Beistand der göttlichen Gnade nichts Gutes zu tun vermögen, so müssen wir wenigstens schon einen gewissen Grad der Demut haben, ehe wir etwas Gott Wohlgefälliges tun können. Im Verhältnis zur Demut, die wir besitzen, wird uns auch Gnade zuteil werden, sowie jede übernatürliche Tugend, die wir erwerben wollen. Das erste also, was ich tun muß, um Gott zu gefallen, ist - ich muß mich selbst demütigen.

2. Die Demut ist nicht nur unumgänglich notwendig, um Gnade von Gott zu erlangen - ohne sie sind wir auch Feinde Gottes. - Er widersteht dem Stolzen; der Stolze hat also Gott zum Gegner, wird von ihm als Feind betrachtet. Wie schrecklich ist es aber, Gott zum Gegner zu haben! Das war es ja, was die Teufel für ewig dem Fluche überantwortete. Die Demut war es hingegen, die die heiligen Engel in der Liebe Gottes, sowie in der vollkommenen Glückseligkeit für ewig bestätigte. Will ich also, daß Gott für mich und nicht gegen mich ist, so muß ich mich in der Demut üben.

3. Die Demut ist die notwendige Bedingung zum Eintritte ins himmlische Vaterland. "Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder", sagt der göttliche Lehrmeister, "so werdet ihr nicht ins Himmelreich eingehen." Er liebt die Demütigen, und diejenigen, welche vom Geiste der Demut beseelt sind, brauchen Tod und Gericht nicht zu fürchten.
"O Gott, bin ich wahrhaft demütig? Wohnt nicht noch in meinem Inneren der Geist der Hoffart, der so hassenswert ist in Deinen Augen? Treibe weit von mir allen Stolz, erfülle mich mit dem Geiste wahrer Demut, damit ich Deiner und Deines Himmels würdig werde."


entnommen aus: Die Schule der Demut, R. F. Clarke SJ, Imprimatur Münster, 27. Februar 1900