Mittwoch, 17. Mai 2017

Die Schule der Demut - Kurze Betrachtungen für alle Tage des Monats 17

Quelle: Wikipedia
Hl. Theresia von Avila
17. Die Demut bei Prüfungen


1. Wenn sich Gottes Hand schwer auf uns legt, haben wir eine ausgezeichnete Gelegenheit, uns in der Demut zu üben und große Fortschritte in dieser Tugend zu machen. Sind doch gerade Leiden und Prüfungen so recht dazu geeignet, uns unser eigenes Nichts, unsere volle Abhängigkeit von Gott erkennen zu lassen. Nehmen wir die Heimsuchungen Gottes geduldig an, sind wir völlig ergeben in Seinen Willen, benutzen wir sie als Gelegenheit, uns immer mehr vor ihm zu verdemütigen, so werden wir in einem Tage mehr Gnade von Gott erlangen und mehr Fortschritte in der Vollkommenheit machen, als in Monaten des Glücks und des Wohlergehens. Wie nehme ich die Leiden und Prüfungen aus Gottes Hand an?

2. Ist die Zeit der Trübsal für uns gekommen, sind wir gebeugt unter der Heimsuchung Gottes, dann ist es zwar durchaus nicht unrecht, um Abwendung derselben zu beten, aber stets muß unser Gebet den Geist der Demut und der Unterwürfigkeit tragen. "Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!" Harren wir geduldig aus, so wird Gott uns Seine Hilfe nicht versagen; gerade, wenn wir es am wenigsten erwarten, wird der Friede in unser Herz zurückkehren.

3. Solche Prüfungen Gottes dienen dazu, unsere Seelen zu läutern und den Stolz zu entwurzeln, der noch - vielleicht unbemerkt von uns selbst - in uns ist. Das beste Gebet zu solchen Zeiten, überhaupt bei allen Gelegenheiten, ist der Hilferuf: "Demütige Du mich, o Herr, und ich werde gedemütigt werden. Nimm von mir hinweg, was Dir mißfällig ist, damit ich das ewige Feuer nicht zu fürchten brauche." Glücklich die, welche in allen Leiden und Widerwärtigkeiten also beten können!


entnommen aus: Die Schule der Demut, R. F. Clarke SJ, Imprimatur Münster, 27. Februar 1900