Sonntag, 11. September 2016

Unterricht zur Haltung des Sonntags

Wie muß der Sonntag geheiligt werden?

Wie es das dritte Gebot befiehlt. Es ist also nicht genug, an Sonn- und Feiertagen sich der knechtlichen Arbeit zu enthalten, sondern man muß sie auch heiligen, was nur durch fleißigen Besuch des Gottesdienstes, Anhörung und Lesung des göttlichen Wortes und Ausübung guter Werke geschieht.
Wie sehr verfehlen sich also wider dieses Gebot Diejenigen, welche an diesen Tagen kaum eine kurze Messe hören und diie ganze übrige Zeit mit Müßiggang, mit zeitlichen Geschäften oder Vergnügungen zubringen!....
Ist es nicht genug, daß man die ganze Woche für den Leib arbeitet? Wäre es nicht billig, wenigstens einen Tag zur Ehre Gottes und zum Seelenheile anzuwenden?.....
Viele wissen nicht, wie es mit ihrer Seele steht, oder was sie, wenn sie zum Beichtstuhle gehen, beichten sollen; wäre es für Solche nicht gut, wenn sie an Sonntagen über den Zustand ihrer Seele nachdächten, deren Krankheiten und Schwachheiten durchforschten, die Ursachen derselben untersuchten, und auf Mittel derselben abzuhelfen, bedacht wären?
O! wie Vieles würden sie dann beichten, zu bessern und zu büßen finden!...
Wenn man aber für sich allein nicht im Stande ist, sich mit solchen Gedanken zu beschäftigen, könnte man seiner Unmöglichkeit nicht abhelfen durch Lesung geistlicher Bücher, Führung und Anhörung geistlicher Gespräche, durch Befragung der Beichtväter und Seelsorger, welche Einen  mit Freuden belehren würden, wie man über sein Seelenheil nützlich nachdenken und die Feiertage gut zubringen könne.
Was tut man aber stattdessen?
Man bring die Feiertage mit Müßiggang, mit Putz, mit eitlen Gesprächen, mit Kaufen und Verkaufen, oder mit noch schlimmeren Dingen zu, ohne die geringste Gewissensunruhe zu empfinden! Gott aber wird die Schänder Seiner heiligen Tage mit Schande und Spott bedecken (Mal. 2, 3) und auch allerlei zeitliche Übel über sie kommen lassen; oder lehret nicht die tägliche Erfahrung, daß die Entheiliger der Sonn- und Feiertage nirgends Glück und Segen haben und mit allerlei Unglück und Widerwärtigkeiten heimgesucht werden? Lassen wir uns dies zur Warnung sein!




Welches gute Werk sollen wir außer dem Gebete am Sonntag besonders üben?


Als ein besonders gutes Werk, daß wir am Sonntag üben sollen, führt der hl. Chrysostomus das Almosengeben an. Diesem Tage, sagt er, haben wir selbst unzählig viel Gutes zu danken, An diesem Tage, ist der Tod überwunden, der Fluch aufgehoben, die Sünde getilgt, die Pforten der Hölle geöffnet, der Teufel in Fesseln gelegt, der lange Krieg geendigt, Gott mit der Menschheit versöhnt und unser Geschlecht zu dem frühen Gnadenstand zurückgeführt worden. An dieses Alles wollen wir uns erinnern, und dann wird der Sonntag ein Fürsprecher für die Armen sein, indem er uns zuruft: bedenke, o Mensch, wie viele und große Güter du an diesem Tage empfangen hast, und von wie großen Übeln du befreit worden bist. Ja, der Sonntag ist der Geburtstag des ganzen menschlichen Geschlechtes, denn wir waren verloren und wurden an diesem Tage wieder gefunden, wir waren tot und wurden wieder lebendig, wir waren Feinde und wurden versöhnt, deshalb wollen wir diesen Tag auf geistige Weise ehren, nicht durch Gastmähler und Trinkgelage, nicht durch Trunkenheit und Tanz, sondern damit, daß wir unsere ärmeren Brüdern freigebig unterstützen. Daher lege an diesem Tage Jeder, wie es Paulus den Korinthern befahl,(1. Kor. 16, 2) Etwas von seinem Vermögen für den Herrn, d. i. für die Armen zurück; denn was wir dem Geringsten unserer Brüder tun, ist ja soviel, als hätten wir es dem Herrn getan!




Was sollen wir an Sonn- und Feiertagen tun?


Wir sollen alles Sündhaft an uns ablegen und unsere Seele mit Tugenden schmücken. Ist es nicht töricht, sagt der hl. Chrysostomus, an Sonn- und Feiertagen so große Sorgfalt auf den Leib zu verwenden, die schönsten Kleider anzuziehen, köstliche Speisen auf den Tisch zu setzen etc., dagegen die vernachlässigte, befleckte, verwilderte, hungrige und unreine Seele gar nicht zu beachten? Du bringst einen geschmückten Leib, aber eine nackte und häßliche Seele in die Kirche. Den Leib sieht dein Mitmensch, dein Mitknecht, und darum liegt wenig daran, wie er beschaffen sei; deine Seele aber sieht Gott du Er wird deine Nachlässigkeit gewiß streng bestrafen. Ist also etwas Sündhaftes an dir, so lege es ab und entferne es aus deiner Seele, bevor du in die Kirche kommst; bringe vielmehr Tugenden mit, damit diese hier noch mehr gereinigt werden und du den Altar, auf dem der Gottmensch gegenwärtig ist, mit einem große und reichen Gewinn wieder verlassen kannst.




Gebet auf alle Sonntage


O Herr! Der Du den Sonntag nur zu dem Ende eingesetzt hast, damit wir an diesem Tage Dir mehr als an anderen dienen und uns Deiner Gnade teilhaftig machen: verleihe, daß wir an demselben allezeit unseren Glauben und unsere guten Vorsätze erneuern, uns zu Deinem Lobe und zur Anbetung Deiner Majestät ermuntern und so viele gute Werke, alls uns möglich ist, verrichten mögen durch unsern Herrn Jesum Christum, Deinen Sohn, welcher mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes. Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.




entnommen aus: Christkatholisches Unterrichts- und Erbauungsbuch, R. P. Goffine Ord. Präm., bischöfliche Approbation Rottenburg 13. August 1867 Joseph, Bischof