Sonntag, 8. Mai 2016

Unterricht für den 5. Sonntag nach Ostern - Wir sollen den Vater bitten

Unterricht für den fünften Sonntag nach Ostern


Evangelium (Joh. 16, 23-30)

In jener Zeit sprach Jesus zu Seinen Jüngern: Wahrlich wahrlich, sag' Ich euch, wenn ihr den Vater in Meinem Namen um etwas bitten werdet, so Wird Er es euch geben. Bisher habt ihr um Nichts in Meinem Namen gebeten. Bittet, so werdet ihr empfangen, daß eure Freude vollkommen werde. Dieses habe Ich in Gleichnissen zu euch geredet; es kommt aber die Stunde, da Ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch rede, sondern offenbar vom Vater euch verkünden werde. An jenem Tage werdet ih in Meinem Namen bitten; und Ich sage euch nicht, daß Ich den Vater für euch bitten werde; denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr Mich geliebt und geglaubt habet, daß Ich vom Vater ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; Ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. Da sprachen Seine Jünger zu Ihm: siehe, nun redest Du offenbar und sprichst kein Gleichnis mehr. Jetzt wissen wir, daß Du Alles weiß und nicht nötig hast, daß Jemand Dich frage: darum glauben wir, daß Du von Gott ausgegangen bist.


Warum will Gott von uns gebeten sein?

1. Damit wir erkennen und bekennen, daß alles Gute von Ihm herkomme.
2.Damit wir unsere Armut und Schwachheit eingestehen, wegen welcher wir zu Allem die Hilfe Gottes notwendig haben.
3. Damit wir mittelst des Gebetes mit himmlischen Gütern erfüllt würden; denn durch das Gebet üben wir uns in gottgefälligen Gesinnungen und werden dadurch würdig, von Gott die Schätze Seiner Gnade zu erlangen und im Guten bis zum Ende zu verharren.


Was gibt es außer dem Bittgebet noch für Arten des Gebetes?

Das lobgebet, welches darin besteht, daß man Gott wegen Seiner unendlichen Vollkommenheit preist und anbetet; und das Dankgebet, wodurch man Ihm für Seine unzähligen Wohltaten Dank sagt.


Was heißt im Namen Jesu bitten?

1. Es heißt in Seinem Geiste bitten, d. h. so wie Er uns durch Sein Wort und Beispiel beten gelehrt hat, nämlich vor Allem, daß Gott von allen Menschen verherrlicht werde und daß Sein Reich zu uns komme, oder daß Er uns die Gnade schenke heilig und selig zu werden, also zuerst um die ewigen und geistigen Güter und dann erst um die leiblichen und zeitlichen, und zwar mit eben der Demut, dem Vertrauen, wie Er am Ölberge getan hat.
2. Es heißt im Glauben an Jesus und namentlich im Vertrauen auf die Verdienste Seines Leidens und Sterbens und die Wirksamkeit Seines Mittler- und Fürsprecheramtes bitten, duch die uns auch alle himmlischen Gaben mitgeteilt werden. Dies ist die Ursache, warum die Kirche auch die Gebete, die sie unmittelbar an Gott den Vater richtet, mit dem ZUsatz: "Durch Jesum Christum unsern Herrn, Deinen Sohn ..." beschließt.


Warum erhört Gott manchmal unser Gebet nicht?

1. Weil wir oft um Dinge bitten, die zur Beförderung der ehre Gottes und unseres Seelenheiles unnütz sind, oder um Dinge welche, obwohl sie an und für sich gut und nützlich sind, z. B. Gesundheit doch aus besonderen Gründen uns schädlich wären. So ist das gebet des hl. Paulus, daß der Stachel des Fleisches von ihm genommen werde, nicht erhört worden, damit er sich der erhaltenen Offenbarungen wegen nicht überhebe, sondern die Demt bewahre (2. Kor. 12, 7).
In solchen Fällen können wir uns mit den Worten trösten, die Gott zu dem hl. Paulus gesprochen hat: "Es genügt dir Meine Gnade". Wenn wir für die Bekehrung anderer beten und nicht erhört werden, so ist die Verkehrtheit Letzterer daran Schuld, unser Gebet ist abber dann nicht nutzlos, denn wenn wir auch die Bekehrung der Sünder nicht erlangen, so wird doch Gott unseren Gebetseifer und unsere Liebe belohnen.
2. Um unsere Geduld und Standhaftigkeit im Gebete zu prüfen und uns zur rechten Zeit zu erhören.
3. Weil wir gemeiniglich nicht beten, wie wir beten sollen; denn wenn das Gebet Gott gefällig sein soll, so muß es im Namen Jesu, also im Stande der Gnade geschehen (nur das Gebet des Gerechten vermag viel bei Gott (Jak. 1, 16); es muß demütig, vertrauensvoll, aufmerksam, eifrig und inbrünstig, beharrlich, Alles dem Willen Gottens anheimstellend oder ergeben sein.


Wann soll man vorzüglich beten?

1. Morgens, Mittags und Abends, vor und nach dem Essen und so oft die Stunde schlägt; denn da Gott alle Augenblicke an uns denkt und uns mit Guttaten überhäuft, so ist es billig, daß wir wenigstens öfters des Tages an Ihn denken und Ihm für Seine wohltaten danken.
2. Beim Besuche der Kirche, oder wenn man daran verhindert ist, zur Zeit, wo in derselben der Gottesdienst gehalten wird.
3. Zur Zeit einer schweren Versuchung.(Matth. 16, 1)
4. Wenn man die heiligen Sakramente empfangen will.
5. Wenn man im Begriffe ist, ein wichtiges Werk anzufangen.(Luk. 6, 12)
6. In besonderen und allgemeinen Nöten und Anliegen.
7. In der Stunde des Todes.


Wie kann man nach der Lehre Christi, Luk. 18, 1, allezeit beten?

Wenn man sich, wie gerade gesagt worden, des Tages öfters zu beten befleißgt, bei allen seinen Verrichtungen eine gute Meinung macht, sein Herz dadurch, sowei durch öftere Liebesseufzer und kurze Gebetlein zu Gott zu erheben sich gewöhnt, in dieser Gewphnheit beständig verharrt und sich allezeit eines gottgefälligen Lebens befleißt.


Welches ist das vortrefflichste unter allen Gebeten?

Das heilige Vaterunser, weil es uns Christus gelehret und zu beten befohlen hat. Es ist deswegen auch das kräftigste, aber nur dann wenn es mit Andacht gesprochen wird. (Matt. 6; Luk. 11)


entnommen aus: christkatholisches Unterrichts- und Erbauunsbuch, R. P. Goffine, Ord. Präm., mit vielen Erzbischöflichen und Bischöflichen Approbationen 1867-1874