Dienstag, 16. Mai 2017

Fest des hl. Johannes von Nepomuk, Martyrers

Johannes war zu Nepomuk, einem Städtchen zehn Meilen von Prag, um das Jahr 1350 geboren. Seine bejahrten Eltern verdankten seine Gebuts,so  wie nachher die Errettung aus einer tödlichen Krankheit, in die er als Kind gefallen war, ihrem vertrauensvollen Gebete. Er hatte vortreffliche Anlagen, und war bei frommer Erziehung sehr folgsam. Seine Knabenjahre brachte er unter andächtigen und religiösen Übungen zu; sein vorzügliches Vergnügen war öfters die Kirche zu besuchen, und den Priestern bei ihren Verrichtungen am Altare zu dienen.
Nachdem seine eltern die größte sorgfalt auf seine Erziehung und religiös-sittliche Bildung verwendet hatten, schickten sie Johann nach Saaz, einer ansehnlichen Stadt jenes Landes, um die lateinische Sprache zu erlernen. .... Um sich mit den höheren Wissenschaften vertraut zu machen, reiste er auf die Hochschule zu Prag, widmete sich mit allem Eifer der Weltweisheit sowohl, als der Gottesgelehrtheit und den geistlichen Rechten, und erwarb sich durch Wissenschaften ausgezeichnet den Doktorhut der Philosophie, Theologie und des kanonischen Rechts.
Ausgebildet durch die niedern und höheren Wissenschaften, geschmückt mit den Lorbeeren des Doktorats, wurde er zum Priester geweiht, und wegen seiner vorzüglichen Glehrsamkeit zum Prediger bei der Pfarrkirche zu Unserer lieben Frau am Thein zu Prag bestimmt. ....
Dieser Geistesmann, wegen seiner Verdienste von dem Erzbischofe und dem Domkapitel von Prag zu einer Domherrenstelle im hohen Stifte befördert, setzte sein Predigtamt mit so allgemeinem Beifalle fort, daß sein Ruf bis zu den Ohren des Königs Wenzeslaus IV. drang.
Johann erhielt bald darauf die Stelle eines Predigers vor dem Könige, die er mit so glücklichem Erfolge versah, daß der König, voll der bösen Neigungen, ein Taugenichts und Trunkenbold, durch die kraftvollen Wahrheiten, die der Heilige vortrug, gerührt ward, und einige Zeit dem Strome seiner unordentlichen Leidenschaften Einhalt gebot. ....
Die Königin Johanna, eine tochter Albert's von Bayern, eine mit allen Tugenden ausgeschmückte Fürstin, gerührt durch die salbungsvollen Reden des heiligen Mannes, wählte ihn zu ihrem Beichtvater. ...
Der wilde Charakter des Kaisers wurde durch die Frömmigkeit der Johanna gereizt und seine Eifersucht kannte keine Grenzen mehr.
... Endlich geriet er auf den albernen Gedanken, ihren Beichtvater anzustrengen, ihm alles zu entdecken, was ihm die Königin gebeichtet. Wenzel suchte anfangs den Beichtvater durch gute worte zu gewinnen, verhieß ihm Verschwiegenheit, machte ihm die glänzensten Versprechungen ....
Allein starkmütig widerstand der verschwiegene Gewissenrat allen Schmeicheleien und Verheißungen des Königs.
Als nun Wenzel sah, daß er Johann durch Versprechungen zur Verletzung des Beichtsiegels nicht bewegen konnte, so ergriff er strengere Maßregeln. Er häufte Drohungen auf Drohungen, ließ ihn in Banden und Ketten werfen, und durch Folter peinigen. Allein auch die Qualen eines abscheulichen Kerkers und anderer Peinigungen vermochten nichts über den Heiligen. ...
Der Kaiser rief ihn zu sich, drang heftiger in ihn, und drohte ihm, unverzüglich ihn ersäufen zu lassen, wenn er in seiner widersetzlichkeit beharren würde; allein Johannes achtete nicht Schrecken und Drohungen, und bleib unerschütterlich. Hierauf ward er auf den Befehl des Kaisers ergriffen, an Händen und Füßen gebunden und Nachts von der Brücke in den Moldaufluß gestürzt und errang dadurch die Krones der Martyriums am 16. Mai 1383.


Betrachtung

Der hl. Johannes von Nepomuk ist ein großer Heiliger Gottes, und wegen seiner Vollkommenheit in seinem Wandel, wegen seines glorreichen Martyrer-Todes und seiner Freundschaft bei Gott haben wir allen Grund, ihn mit Herzen und Zungen zu ehren, und ihn um seine Fürspprache in unserer Not anzurufen. der fromme Priester Gottes hatte die Ehre der gottesfürchtigen Kaiserin Johanna bis zum Ende seines Lebens durch sein standhaftes Stillschweigen geschützt und erhalten: deswegen wird er von der Kirche vorzüglich als Schutzpatron bei Verletzungen des guten Namens verehrt. Wir tun also nicht unrecht, wenn wir in Gefahr, Schaden an unserer ehre zu leiden, oder bei dem wirklichen Verluste derselben, uns der Fürbitte und dem Schutze dieses großen Heiligen empfehlen. Auf unser vertrauensvolles Gebet werden wir durch seine vermögende Fürsprache jeden Beistand uns erwerben, wodurch wir das vermeiden, was unseren guten Namen beschädigen und uns in Schande stürzen kann. Dies werden wir umso gewisser erreichen, wenn wir zugleich auf sein erhabenes Beispiel hinblicken, und von ihm lernen, wie wir als Christen reden, schweigen, dulden und leiden sollen. Laßt uns also Gott in seinen Heiligen loben, und uns bemühen, ihm nachzuahmen; lernen wir uns zu beherrschen, die Zunge zu bezähmen, und nicht zu reden, wo die ehre und die Liebe Gottes, die Nächsten- und Selbstliebe uns die Pflicht auflegen, zu schweigen. Überwinden wir uns, auch da zu schweigen, wo wir zeitliche Vorteile durch Reden gegen unsere Pflicht gewinnen können, oder auch dadurch vorübergehende Unbilden und Nachteile zuziehen werden; denn glücklich der, welcher sich im Reden nicht verfehlt.


entnommen aus: Legende der Heiligen, hrsg. von einem Verein katholischer Geistlicher der Diözese Augsburg, Augsburg 1835